Vereinsgründung

Der Theater- und Carnevalverein Bechtolsheim besteht derzeit aus etwa 200 Mitgliedern und feierte im Jahre 2017 sein 125-jähriges Bestehen. Der Verein wurde 1892 als Theaterverein Spätheim gegründet und setzte sich zum Ziel das kulturelle Leben in Bechtolsheim durch Laienspiel, Volksmusik, Gesang und Geselligkeit zu erweitern und so einen Ausgleich zur täglichen Arbeit zu schaffen. Als erstes Theaterstück kamen „Der heimliche Sünder“ und „Üb immer Treu und Redlichkeit“ zur Aufführung und bereits im Jahre 1893 trat der Verein auswärts in Dolgesheim auf. Neben dem Theater wurde auch schnell der Carneval in Form von Fastnachtsumzügen und närrischen Abendveranstaltungen etabliert.

Zu Beginn der Vereinsgründung herrschten strenge Statuten: Wer weniger als zwei Vorstandssitzungen, damals noch „Generalversammlungen“, besuchte, wurde mit Verachtung gestraft und wer beispielsweise bei Fastnachtsumzügen mit Abwesenheit glänzte, musste eine Geldstrafe in Höhe von 0,30 RM entrichten. Da den jungen Verein finanzielle Sorgen plagten, wurde nicht-zahlenden Mitgliedern mit Ausschluss gedroht (die Mitgliedsbeiträge beliefen sich damals auf 0,20 RM). Trotz der finanziellen Engpässe wurde weiterhin Theater gespielt und wenn Geldmangel herrschte, wurde auch mal in die eigene Tasche gegriffen, um den Verein am Leben zu erhalten.

Der 1. Weltkrieg brachte dann den Stillstand für das Theater- und Vereinsleben. Tote und Verwundete waren zu beklagen und so kam erst spät in den Nachkriegsjahren ­– auf Initiative der Gründungsväter ­– der Wunsch auf, wieder Theater zu spielen. Im Jahre 1922 kam deshalb das Stück „Der Schmied von Ruhla“ zur Aufführung. Nach einer kurzen Rehabilitation des Vereinslebens, kam es kurz darauf mit Beginn des 2. Weltkrieges wieder zum Erliegen. Im Jahre 1932 endeten die Vereinsaufzeichnungen.

1. und 2. Weltkrieg

Wiedergründung des Vereins

Erst am 25. Januar 1953 wurde ein neuerlicher Theaterverein gegründet.
Die Spielbegeisterung war in diesen Nachkriegsjahren besonders groß und so wurden mit Erfolg viele publikumswirksame Stücke dargeboten, wie beispielswiese „Der Freischütz“, „Die Zigeunerin von Rocca Valla“, „Katharina Knie“ und „Schinderhannes“. Daneben war der Verein seiner Tradition folgend bemüht, auch seinem Namen als Carnevalverein Ehre zu machen und veranstaltete deshalb Kappensitzungen, Preismaskenbälle und den Kindermaskenball am Fastnachtsdienstag. Darüber hinaus fanden alljährlich Sommernachtsfeste statt.

Nachdem sich in den 60er Jahren immer weniger Laiendarsteller/innen fanden und die Vereinsaktivitäten abebbten, wurde unter dem 1974 gewählten, verjüngten Vorstand das Laienspiel wiederbelebt. Schon im darauffolgenden Jahr wurde mit dem Lustspiel „Der Haftbefehl“ die alte Tradition und das eigentliche Anliegen des Vereins, das Theaterspiel, fortgesetzt. Seit dieser Zeit wurden Jahr für Jahr weitere Theaterstücke mit unterschiedlicher Besetzung aufgeführt.

Im Jahre 1983 wurde das ehemalige „Spitzbriehaus“ erworben und in unzähligen Arbeitsstunden zu einem Vereinsheim umgebaut. Ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte waren die Festtage anlässlich des 100-jährigen Bestehens vom 05.-08. Juni 1992. Neben der obligatorischen akademischen Feier, fanden ein Bunter Abend, ein Volkskunsttag, Theateraufführungen verschiedener befreundeter Verbandsvereine, ein Familientag mit Familiengottesdienst sowie ein Festumzug statt. Nachdem die Veranstaltungen seit der Wiedergründung im Jahre 1953 in der Selzbachhalle, der späteren Musikhalle der Freiwilligen Feuerwehr, abgehalten wurden, zog man im Jahre 2001 ins Schützenhaus des Schützenvereins Petersberg. Nach etlichen An- und Umbauarbeiten wurde dort im Jahre 2003 das 111-jährige Bestehen des Vereins bzw. 50 Jahre Wiedergründung mit einem umfangreichen Programm zelebriert.

Umbau Vereinsheim und Schützenhaus

Moderne Zeiten und 125 Jahre TCVB

Seit dem Umzug ins Schützenhaus werden jährlich am ersten Juliwochenende zwei Freilichttheaterabende sowie am Samstag vor dem 1. und 2. Advent Theaterabende veranstaltet. Mittlerweile umfasst die Theatergruppe etwa 30 aktive Laienspieler/innen, die sich in eine Kinder-, Jugend- und Erwachsenengruppe gliedern. Nicht nur im Bereich Theater, sondern auch im Bereich Carneval erfreut sich der TCVB vieler aktiver Mitglieder und eines engagierten Nachwuchses. So gestaltet der 25-köpfige Elferrat die „Beelsemer Fassenacht“ und stellt mit der Prunk- und Seniorensitzung sowie dem Kindermaskenball eine wichtige Konstante im Ortsgeschehen dar. Seit einigen Jahren erfreut sich auch die Blitzsitzung – eine Mischung aus Fastnachtssitzung und Maskenball – immer größerer Beliebtheit.

Mit Hilfe unserer aktiven und engagierten Mitgliedern war es uns möglich, auch das 125-jährige Vereinsjubiläum gebührend zu zelebrieren und allen Freunden und Gönnern des Vereins ein abwechslungsreiches Jubiläumsprogramm zu bieten, zu dem neben den alljährlichen Veranstaltungen auch die akademische Feier, ein Krimi-Dinner und eine Open Air Veranstaltung mit den Isarthaler Hexen zählten.