Kat_TCVB/ Dezember 5, 2018/ Theater, Zeitungsartikel/ 0Kommentare

Nach mehr als drei Stunden hatte einem Schwank entsprechend, tatsächlich jedes Dippche sein Deckelche gefunden. Die Zuschauer geizten bei der Premiere nicht mit Beifall. | von Roswitha Wünsche-Heiden


Der Vorhang geht auf und gibt den Blick frei auf zwei romantische Gaststätten, den weißen und den roten Ochsen. Ach ja, und dann liegt da noch eine Schnapsleiche auf der Straße, mitten im Kehricht. Beides wird zum Vergnügen der Zuschauer in den folgenden Minuten von den befeindeten Schwestern und boshaften Wirtinnen Irene (Anette Diel) und Dagmar (Beate Kopf) hin und her über die unsichtbare Grundstücksgrenze gekehrt.

Erst ihren Männern (Udo Wolf und Helmut Maas) gelingt es, das Ärgernis zu beseitigen und den betrunkenen Lupo (Marc Wolf) auf den Schubkarren seiner Schwester, der Briefträgerin Helga (Verena Lehn), zu befördern. Doch damit nicht genug. Helga, die regelmäßig die Briefe ihrer Kundschaft liest, weiß nicht nur, dass Erbonkel Paul (Gunter Köhm) zu Besuch kommen will, sondern auch, dass der „nix mehr druff“ hat. Das kann ja heiter werden, denn während die Schwestern den unattraktiven Gast loswerden wollen, sind sie gleichzeitig umso mehr bemüht, sich im Tagesgeschäft die Urlaubsgäste abspenstig zu machen, indem sie sich gegenseitig nach allen Regeln der Kunst schlecht machen.

In der dritten Pause der langen Bechtolsheimer Theaternacht standen Claudia Uhink, Eleonore Hastrich und Margot Wetzel in der ausverkauften Schützenhalle zusammen und waren begeistert. Wieder einmal, denn die drei gehören zum Stammpublikum des Theater- und Carnevalvereins. Sie hatten viel gelacht, und das wissen offenbar auch andere zu schätzen. „Viele Auswärtige und auch viele Junge sind da“, stellte Uhink fest. Für sie ist die gute Besetzung das A und O des Erfolges.

Tatsächlich können die Bechtolsheimer aus dem Vollen schöpfen. Das war schon in dem Einakter „Bella Italia – schöne Ferien“ festzustellen, bei dem acht Jugendliche unter der Leitung von Miriam Kippenhahn erstmals auf der großen Bühne zu sehen waren.

Noch mehr bestätigte sich Uhinks Annahme in Erich Kochs Dreiakter „Der verarmte Erbonkel“. Die spielfreudige Gruppe um Anette Diel bringt jedes Jahr drei Produktionen auf die Bühne und spielt zu einem großen Teil seit Jahren zusammen. Wie Katharina Kopf, die Vorsitzende des Vereins, wissen ließ, treffen Diel und Beate Kopf eine Vorauswahl und haben bei der ersten Leseprobe schon eine Idee, wer die Rollen spielen könnte. In etwa drei bis vier Monaten wird das Stück ohne Regisseur erarbeitet. Bei der Ausgestaltung der Rollen helfen alle mit. Nicht alle brauchen nur die Bühne zu betreten, um – wie Maas – Gelächter auszulösen, oder beherrschen das Spiel mit dem Sexappeal so perfekt wie Lehn. Bei den Figuren der Urlaubsgäste (Kristin Kühn, Caroline Heck, Mathias Uhink und Florian Spintler) waren schon zündende Ideen nötig, um sie so witzig rüberzubringen, wie sie bei der Aufführung dann waren. Ein Erfolgsrezept sind etwa Anspielungen und Spitzen gegen den Nachbarort „Orem“.

Nach mehr als drei Stunden hatte, einem Schwank entsprechend, tatsächlich jedes Dippche sein Deckelche gefunden. Die Zuschauer geizten bei der Premiere nicht mit Beifall […].

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